«Let’s walk the line!»

Montreux, 03.09.2020 - Referat von Bundesrat Guy Parmelin, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung anlässlich der Eröffnung des Swiss Economic Forums

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich freue mich ganz besonders, heute hier bei Ihnen zu sein und dies aus zwei Gründen. Erstmals seit Beginn der langen Coronakrise bin ich wieder einmal an einem grösseren Anlass und zwar pyhsisch statt nur virtuell.

Und zweitens bin ich hier in der Westschweiz und erst noch in meinem Kanton. Was will mein Waadtländer Herz mehr! Und als Tourismusminister hoffe ich natürlich sehr, dass es Ihnen hier allen sehr gut gefällt.

«Walk the Line?» Bei diesem Motto kommt uns allen das berühmte Lied von Johnny Cash in den Sinn und natürlich auch der berühmte Film. Und gleichzeitig erinnern wir uns alle auch an die grosse Bedeutung der Stadt Montreux für die Musik.

In einer Strophe dieses Liedes singt Johnny Cash – keine Angst, ich singe es nicht -  «I keep my eyes wide open all the time». Ich halte meine Augen weit offen, die ganze Zeit.

Genau das ist die Aufgabe des Bundesrates seit Beginn der Coronakrise. Die Augen die ganze Zeit weit offenzuhalten. Und das mache auch ich als Wirtschafts- und Arbeitsminister der Schweiz.

Wir haben in unserem Land und weltweit eine Gesundheitskrise von noch nie dagewesenem Ausmass erlebt. Diese Krise ist noch nicht überstanden und niemand weiss, wann und − leider auch − ob sie überhaupt je ganz vorüber sein wird. Diese Situation hat unsere Gesellschaft ziemlich aus dem Gleichgewicht gebracht und sie wird unsere Lebens-, Konsum- und Arbeitsgewohnheiten dauerhaft verändern.

Auf dem Höhepunkt der Krise hat die Schweizer Wirtschaft sehr stark unter dieser Pandemie gelitten. Die Exporte von Schweizer Maschinen, Metallen, Uhren und Präzisionsinstrumenten brachen wegen der fehlenden Nachfrage aus dem Ausland drastisch ein. Neben anderen Sektoren waren der Tourismus, die Hotellerie, das Gastgewerbe sowie die Event- und Kulturbranche besonders stark betroffen. Zehntausende von KMU sahen sich von heute auf morgen in ihrer Existenz gefährdet.

Doch wir «haben den Kurs gehalten», «we walked the line», um das Bild aus dem Lied wiederaufzunehmen. Der Bundesrat hat rasch und unbürokratisch umfangreiche Massnahmen ergriffen. Er hat unverzüglich neue Rahmenbedingungen für die Wirtschaftsakteure geschaffen, um ihnen Unterstützung zu bieten. Dazu gehörten auch die vom Bund verbürgten Überbrückungskredite.

Innert zehn Tagen – und Nächten – kam im Teamwork eine Lösung zustande, die funktionierte. Und diese Soforthilfe hat gewirkt. Über 136 000 Firmen, überwiegend KMU, haben vom Bund abgesicherte Kredite im Umfang von über 16,8 Milliarden Franken von ihren Banken erhalten.

Dies war nur möglich dank unserer soliden Finanzsituation und dank unseren zuverlässigen und kompetenten Wirtschaftsstrukturen. Wir verdanken das aber auch den guten und engen Verbindungen, die Staat und Privatwirtschaft in unserem Land seit jeher miteinander pflegen.

Innert kürzester Zeit wurden zudem Lösungen erarbeitet, um den Verlust von Arbeitsplätzen möglichst gering zu halten. Das ist das erklärte Ziel der Kurzarbeit, das auch erreicht wurde. Dieses umfassende Instrument hat sich bewährt und hat unseren Unternehmen Sicherheit und Stabilität gegeben.

Wenn wir die Augen weit offen halten, müssen wir leider feststellen, dass die Ausbreitung des Virus bisher nicht gestoppt wurde, höchstens verlangsamt. Unsere Wirtschaft muss die Krise also weiterhin erdulden. Und sie muss sich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Die Aufgabe des Staates ist dabei, es den Unternehmen so leicht wie möglich zu machen – nicht mehr und nicht weniger.

Meine Damen und Herren, natürlich steht für den Bundesrat die Gesundheit an oberster Stelle. Wir müssen eine zweite Welle und damit auch die dramatischen wirtschaftlichen Folgen eines weiteren Lockdowns um jeden Preis vermeiden. Die geltenden Hygienemassnahmen verursachen für unsere Unternehmen natürlich Mehrkosten. Damit diese tragbar bleiben, passt der Bund seine Instrumente fortlaufend an. Letztlich geht es darum, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz zu bewahren.

Ich bin kein pessimistischer Wirtschaftsminister. Aber Sie wissen ja: «I keep my eyes wide open all the time.» So muss ich feststellen, dass sich unser BIP auch im zweiten Quartal rückläufig entwickelt hat. Es verzeichnete gar den historisch stärksten Rückgang seit 40 Jahren, also seit diese Quartalszahlen erfasst werden. Im internationalen Vergleich leidet die Schweiz jedoch weniger als andere Länder. Ich bin dankbar, trägt die Struktur unserer Wirtschaft zur Stabilisierung bei.

Und es gibt weitere positive Signale: So stellen wir seit dem Ende des Lockdowns fest, dass die Unternehmen und Privathaushalte wieder mehr Vertrauen gefasst haben. Ausserdem ist die Arbeitslosigkeit seit Ende Juni nicht mehr weiter massiv angestiegen. Ich werde mich jedoch hüten, irgendwelche Prognosen zu wagen. Die Ungewissheit im Zusammenhang mit dieser Gesundheitskrise ist so gross, dass niemand sagen kann, was die nächsten Monate bringen werden.

So kann ich Ihnen versichern, so wie Jonny Cash in seinem Lied ebenso singt – und keine Angst ich singe es immer noch nicht: «I keep you on my mind both day and night» Ich denke an beides Tag und Nacht.

Ganz wichtig ist es deshalb, auf unsere bewährten Stärken zu bauen, Zuversicht zu bewahren und vor allem den Kurs zu halten. Kurz: «Let’s walk the line!»

Ich wünsche Ihnen allen ein gelungenes Forum 2020 und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.


Adresse für Rückfragen

info@gs-wbf.admin.ch


Herausgeber

Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
http://www.wbf.admin.ch

Letzte Änderung 14.02.2019

Zum Seitenanfang

Kontakt

Kommunikationsdienst GS-WBF

Bundeshaus Ost
3003 Bern
Schweiz

Tel.
+41584622007

E-Mail

Kontaktinformationen drucken

https://www.wbf.admin.ch/content/wbf/de/home/dokumentation/nsb-news_list.msg-id-80284.html