Bruttoinlandprodukt im 2. Quartal 2022: Weitere Erholung im Dienstleistungssektor

(Letzte Änderung 13.09.2022)

Bern, 05.09.2022 - Das BIP der Schweiz wuchs zuletzt um 0,3 %, nach 0,3 % im 1. Quartal 2022.* Erwartungsgemäss ging die Konjunkturerholung weiter. Nach der Aufhebung der Corona-Massnahmen stieg die Wertschöpfung im Dienstleistungssektor deutlich an. Die privaten Konsumausgaben wuchsen kräftig. Im verarbeitenden Gewerbe war die Wertschöpfung leicht rückläufig.

Korrigendum zur Medienmitteilung vom 5. September 2022
Wegen eines technischen Fehlers wurden mit der Medienmitteilung vom 5. September 2022 inkorrekte Quartalsdaten für die Wertschöpfung der Branche « Kunst, Unterhaltung und Erholung » (Noga 90-93) publiziert. Der Fehler hat sich auch auf die BIP-Daten übertragen. Insbesondere ist das reale, saisonbereinigte, nicht Sportevent-bereinigte BIP im 4. Quartal 2021 um 0,1 % (und nicht um 0,3 %) gewachsen und im 1. Quartal 2022 um 0,3 % (und nicht um 0,5 %).
Auf der Verwendungsseite des BIP widerspiegelt sich diese Korrektur in den Vorratsveränderungen inkl. statistischer Abweichungen, auf der Einkommensseite im Nettobetriebsüberschuss, im Bruttonationaleinkommen sowie im verfügbaren Bruttoeinkommen. Die übrigen Komponenten sind nicht durch die Anpassung beeinflusst. Die betroffenen Tabellen und Dokumente auf der Internetseite des SECO wurden am 13. September durch korrigierte Versionen ersetzt.
Die Sportevent-bereinigten BIP-Daten sind am aktuellen Rand von der Korrektur kaum betroffen. Die Beurteilung der aktuellen Konjunkturlage bleibt unverändert.

Mit der Rückkehr zur normalen Lage wurden Anfang April die gesundheitspolitischen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weitestgehend aufgehoben. Die Dienstleistungsbranchen, die am stärksten davon betroffen waren, erholten sich im 2. Quartal spürbar. Das Gastgewerbe (+12,4 %) registrierte den stärksten Zuwachs. Insbesondere setzte sich die Erholung des Auslandtourismus bis zuletzt fort; v. a. die Zahl der Logiernächte europäischer und US-amerikanischer Gäste stieg deutlich an. Der Vorkrisenstand der Wertschöpfung im Gastgewerbe wurde im 2. Quartal trotzdem noch um rund 10 % unterschritten. In der Branche Kunst, Unterhaltung und Erholung (+3.2 %)** stieg die Wertschöpfung nach Aufhebung der Massnahmen ebenfalls, sie lag Sportevent-bereinigt aber immer noch 13 % unter dem Vorkrisenniveau. Im Einklang mit der zunehmenden Mobilität der Bevölkerung entwickelte sich auch der Bereich Transport und Kommunikation (+4,4 %) positiv und übertraf sein Vorkrisenniveau um rund 3 %.

Nur zwei Dienstleistungsbranchen registrierten im 2. Quartal einen Wertschöpfungsrückgang: neben den Finanzdiensten (–1,5 %) der Handel (–2,1 %), wozu insbesondere der Detailhandel mit Nahrungsmitteln sowie der Grosshandel beitrugen. Das recht breit abgestützte Wachstum des Dienstleistungssektors ging mit steigenden Dienstleistungsexporten (+5,0 %)*** einher.

Mit der Aufhebung der Corona-Massnahmen stieg der private Konsum (+1,4 %) nach der verhaltenen Entwicklung des Winterhalbjahrs stark. Die Haushalte erhöhten insbesondere ihre Konsumausgaben für Hotel- und Restaurant- sowie andere Dienstleistungen. Auch die Investitionen in Ausrüstungen (+2,6 %) wurden nach einem negativen Vorquartal deutlich ausgeweitet. In der Summe legte die Binnennachfrage kräftig zu, was mit einem deutlichen Anstieg der Importe (+2,1 %)**** einherging. Als einzige inländische Nachfragekomponente gaben die Bauinvestitionen (–0,2 %) erneut nach, dies im Einklang mit der negativen Entwicklung im Baugewerbe (−1,7 %).

Im verarbeitenden Gewerbe (–0,5 %) war die Wertschöpfung leicht rückläufig, nachdem sie über sieben Quartale überdurchschnittlich stark gewachsen war. Dazu trug massgeblich die chemisch-pharmazeutische Industrie bei, die sich rückläufigen Exporten gegenübersah. Dagegen konnten die übrigen, typischerweise stärker konjunkturreagiblen Industriebereiche leicht expandieren. Auch aufgrund eines kräftigen Rückgangs des Transithandels gingen die Warenexporte***** (–11,5 %) insgesamt stark zurück.

Hinweise
Das Bundesamt für Statistik (BFS) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) haben im Sommer 2022 eine ausserordentliche Teilrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Schweiz (jährlich und vierteljährlich) durchgeführt. Hintergrund ist eine vorangegangene Revision der Zahlungsbilanzdaten der Schweizerischen Nationalbank. Die Revision betrifft die Daten ab 1980 bis zum aktuellen Rand. Zusammen mit den revidierten Quartalsdaten sowie der ersten Berechnung des BIP im 2. Quartal 2022 publiziert das SECO erstmals Sportevent-bereinigte Daten für die Verwendungsseite des BIP.
Weitere Informationen zum BIP im 2. Quartal, zur Revision sowie zu den Sportevent-bereinigten Daten finden sich in den Konjunkturtendenzen Herbst 2022 unter www.seco.admin.ch/bip.

* Reale Veränderungsrate gegenüber dem Vorquartal. Sportevent-bereinigt beläuft sich das BIP-Wachstum im 2. Quartal ebenfalls auf 0,3 %, im 1. Quartal 2022 auf 0,2 %.
** Sportevent-bereinigt: +3,5 %.
*** Sportevent-bereinigt: +4,9 %.
**** Dienstleistungen sowie Waren ohne Wertsachen. Sportevent-bereinigt: +2,5%.
***** Ohne Wertsachen.

 


Adresse für Rückfragen

Eric Scheidegger, SECO, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik, Tel. +41 58 462 29 59
Felicitas Kemeny, SECO, Leiterin des Ressorts Konjunktur, Direktion für Wirtschaftspolitik, Tel. +41 58 462 93 25
Antje Baertschi, Leiterin Kommunikation und Mediensprecherin SECO, Tel. +41 58 463 52 75



Herausgeber

Staatssekretariat für Wirtschaft
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Letzte Änderung 14.02.2019

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